Schickes Coverfoto. Ist das echt? Sind das Wolken? Auf der Erde? Wie kommen da solche Verwirbelungen zustande? Und was hats jetzt eigentlich mit dem Bandnamen auf sich? Ist da der chinesische Astronom und Mathematiker gemeint? Oder doch nur das schöne kurze deutsche Wort mit den vielen Bedeutungen? Das Logo tut ja manchmal ein bisschen so, als wärs ein chemisches Element. Aber jetzt achteckig, und dazu das kristallografische Mythologie-Label und der Amethyst auf der Rückseite, da kriegts was alchemistisches. Der Plattentitel bezieht sich zudem entweder direkt auf eisenhaltiges Meteorgestein oder aber auf das eisenhaltige Arzneimittel der Anthroposophie. Und die Icons bringen noch einen Hauch Astrologie mit rein, von wegen Sonne. Herrje. Zum äußeren Erscheinungsbild des Drummers tät das ja alles passen, aber die anderen beiden sahen beim Konzert eigentlich noch ganz richtig im Oberstübchen aus.
Wie dem auch sei, die Band legt gleich erstmal los. Kurzes Dröhnen als Einstieg, und dann das bekannte brachiale Mahlwerk aus tief knarzendem Saxophon und verzerrtem E-Bass und rasendem Schlagzeug, das einem die Ohrläppchen und alles dazwischen zerhackstückt, sodass man gar nicht dazu kommt, sich auch noch um all die komischen Songtitel irgendwelche schlauen Gedanken zu machen. Bisschen neuer und beim Konzert auch bestätigt gefunden: der vermehrte Einsatz des Synthesizers, der mit seinen spacigen Sci-Fi-Sounds die atmosphärische Dichte der Musik ganz erheblich steigert, ohne den Krach allzu sehr in Richtung Schönklang zu verschieben. Einerseits, und andererseits ist das Vorhandensein des neuen Instruments vielleicht auch der willkommene Anlass, nicht mehr ausschließlich auf Lärm zu setzen, sondern vermehrt in Richtung Postrock zu hantieren und zwischendurch immer wieder diese cineastischen, meditativen, tribalistischen Pausen zum Atemschöpfen einzubauen.
Ob man die Platte wirklich in einem Ritt durchhören sollte oder auch nur kann, bleibt aber noch die Frage, so eine Doppelplatte ist dann ja doch fast anderthalb Stunden lang, das hält man bei dieser fordernden Musik nicht wirklich gut durch. Aber man kann ja bei jedem Seitenwechsel ein Päuschen einlegen und kurz mal ein bisschen abwaschen, Müll runterbringen, Wäsche aufhängen, Zeitung raufholen, Einkaufszettel schreiben, irgendsowas irdisches. Um dann mit neuer Neugier und wieder freiem Kopf in den düsteren Klangkosmos von Zu einzutauchen. Mathige Rhythmen, noisige Disharmonien, mättlige Verzerrerwände, progrockige Schlagzeugeskapaden, mystische Synthesizersounds. Monotone Wiederholungen, überraschende Wechsel, Schichtungen und Verschiebungen, allmähliche Änderungen und abrupte Brüche. Feine Nuancen und wüster Lärm. Kompositorisch raffiniert, handwerklich sauberst, klanglich roh und grob. Und kein Gesang.
Eins der wenigen Beispiele, wie man Saxophone prima in Rockmusik einbauen kann, ohne dass es hinterher komplett dämlich und/oder peinlich klingt. Wenn das noch als Rockmusik zählt. Ja doch, als was denn sonst, mit Jazz hat das ja wenig zu tun, auch wenn die Mättler in ihren Platten- und Konzertkritiken immer so tun als ob, aber da verwechseln sie das Instrument mit dem Genre, und die nicht nach Songschema F strukturierten Stücke ohne vorsingbare Melodien auch. Behaupten die das bei Tool auch? Die klingen über weite Strecken auch nicht wesentlich anders.
Schöne Sache das. Auf der Innenseite noch ein riesiger Meteoritenkrater irgendwo in der Wüste. Schwarze gefütterte Innenhüllen, aber kein Download-Code. Aufgenommen übrigens und mit feinem Händchen produziert von einem Herrn Urselli, von dem ich neulich noch gar nichts wusste.
Tracks
- Charagma
- Golgotha
- Kether
- A.I. Hive Mind
- La Donna Vestita Di Sole
- Pleroma
- Fuoco Saturnio
- The Celestial Bull And The White Lady
- Hymn Of The Pearl
- Perseidi
- Ferrum Sidereum