Was heißt hier SEK? Sondereinsatzkommando? Schwedische Krone? Spezialisierte Einsatzkräfte? Sekundarstufe? Spieleentwicklungskombinat? Sekunde gar? Nee, Stoyan Edert Kazzer. Wie sone Jazzband, die sich in einer Mischung aus Eitelkeit und Fantasieverweigerung ganz bodenständig und einfach und direkt nach den individualistischen Mitgliedern benennen muss. Nachname reicht. Kann man machen. Auch wenn man gar keinen Jazz macht, sondern mehr so Psychedelic Progrock. Oder vielleicht gerade dann.
Love! Noise! Freedom!
Komisches Cover. Komischer Titel. Platte und Songs. Beschäftigt sich da jemand mit dem Dreißigjährigen Krieg statt mit dem alten Rom oder der Nazizeit? Nischennerds wo du gehst und stehst.
Eine Melodiegitarre verliert sich in langen Melodiebögen, ohne dabei dämlich gniedelig zu werden, und findet zwischendurch auch mal das eine oder andere Riff, dazu eine klassisch rockende Rhythmusfraktion aus Bass und Schlagzeug, die ein solides Fundament ohne Schnickschnack drunterlegt, aber auch weiß, wann die Zeit für ein interessantes Zwischenspiel gekommen ist. Und wann nicht. Die Siebzigerjahre klopfen an, bringen aber überraschenderweise gar keinen Sänger mit. Die historischen Bezüge also nur Dekoration? Instrumentalbands müssen sich ja immer was überlegen für ihre Songtitel.
Nach dem melancholischen Herumgegrübel in der Garage wirds bei der Schlacht auch mal flotter, zusätzliche Keyboards stiften ein paar Fanfarenklänge und die Gitarrensoli klingen fast schon nach kuschelrockiger Soft-Metal-Band. Und nachdem das Gemetzel fast schon ganz eingeschlafen ist, weil keiner mehr übrig ist, der noch ein Schwert halten oder gar durch des Gegners Kehle stoßen kann, bäumt sich die Band doch nochmal auf für ein klassisches Rocksong-Ende. Krawumm.
Und so geht das weiter. Ich glaube, ich langweile mich schon beim dritten Stück. Das ist doch jetzt wirklich nur noch dämliches Herumgefiedel. Warum? Weil siehste, beim folgenden Stück ist doch ein schöner weich pumpender Bass und ein interessanter Beat und bisschen mehr Rhythmusgitarre, so hört sich das doch gleich viel besser an. Hawkwind, oder? Und das letzte Stück dann wieder ordentliche Riffs und bratzelnder Bass: der Tod so eines geliebten Haustieres zerrt ja auch entsetzlich an einem. General hin oder her.
Also ja, kann man machen. Gar nicht mal so schlecht. Aber auch nicht der Hammer. Für mich passts jedenfalls nicht so recht. Klingt zwar phasenweise dezent nach Motorpsycho (das ist für mich die einzige halbwegs passende und positiv besetzte Referenz für dieses Genre), bleibt aber zu sehr im Klischee stecken. Solides und wirklich gut ausgeführtes Handwerk, keine Frage, aber eben ohne den echten Pfiff. Keine Dissonanzen zum Beispiel. Alles viel zu brav.
Rückseite der Platte auch jazzmäßig mit einem mittellangen Lesetext versehen, aber nicht etwa Musikkritik zur Band oder zur Musik der Platte oder ähnliches, sondern ein Auszug aus Golo Manns Buch zu Wallenstein. (Der Fehler mit den 24 Jahren Krieg im Jahre 1632 ist vermutlich ein Abtippfehler und im Original korrekt.) Auf dem Bandfoto halten die drei Langhaarigen mit den albernen Bärten auch jeweils ein Exemplar dieses Buches in den Händen. So als würden sie beim Herumstehen an dekorativen Wandverkleidungen gerade darin lesen. Süß.
Außerdem bekommen alle an der Produktion beteiligten Personen ihren Job aus dem Englischen wortwörtlich ins deutsche übersetzt oder ihre Tätigkeit besonders albern formuliert: Stromgitarre, Schlagwerk, bassspielendes Element, Tasteninstrument, Ingenieur, Mischung, Meisterung, Kunstarbeit. Kann man machen.
Includes Full Album On CD
Hab ich ja nur als Ersatz gekauft, weil die Hauptband keinen Merch mithatte (»aufm Flughafen vergessen«) und ich aber unbedingt noch eine Platte von denen mit nach Hause nehmen wollte. Fürn Zwanni kann man das machen.
Und weil es mir nach dem zunächst missglückten Update meines PC auf Ubuntu 26.04 tatsächlich noch nicht gelungen ist, den Scanner in Betrieb zu nehmen – wie so in den Neunzigern – gibts erstmal (?) noch keine Bilder vom Cover. Die Vorderseite könnter euch ja in der Zwischenzeit auf bandcamp reinziehen.
Tracks
- Wallensteins Garage
- Die Schlacht Bei Lützen
- Amore Mio
- Auftritt Zu Pappenheim
- Amore Mios Ende