Unplug Big Tech

Dreißig kurze Tipps zum Thema Datenschutz und digitale Unabhängigkeit.

Krischan am

Ursprünglich im Mai dieses Jahres als tägliche Tipps im Mastodon-Feed des Kuketz-Blogs erschienen. Hab ich mir also nicht selber ausgedacht, sondern nur hierhin kopiert. Weil ein guter Überblick, an welchen verschiedenen Stellen man von Big Tech abhängig sein könnte und was es jeweils für Alternativen gibt, um sich von diesen Abhängigkeiten zu befreien.

1 E-Mail-Anbieter wechseln

Nutze datenschutzfreundliche E-Mail-Dienste wie mailbox.org oder Posteo, die keine Werbung schalten und deine Daten respektieren. So vermeidest du US-Anbieter wie Google Mail und Outlook, die deine E-Mails zur Profilerstellung und Werbung verwenden.

2 Datenschutzfreundliche Suchmaschine

Verlasse Google und Bing und nutze datenschutzfreundliche Suchmaschinen wie StartPage oder die Bezahlsuchmaschinen Kagi oder Metager. Die speichern keine persönlichen Daten und verfolgen deine Suchanfragen nicht. Für maximale Privatsphäre kannst du auch auf SearXNG setzen, eine Open-Source-Suchmaschine, die du sogar selbst hosten kannst.

3 Messenger ohne Big Brother

WhatsApp gehört zu Meta, einem Konzern, der von Daten lebt. Zwar verschlüsselt WhatsApp Nachrichteninhalte, aber Metadaten laufen trotzdem mit: Wer wann mit wem schreibt, wie oft, aus welchem Netz. Das sind oft aussagekräftigere Daten als der Chat selbst.

Die Alternative für den Alltag: Signal. Ende-zu-Ende-verschlüsselt, kaum Metadaten, kein Werbemodell, quelloffen – und groß genug, dass du damit auch wirklich jemanden erreichst. Ein Messenger bringt dir nichts, wenn ihn niemand aus deinem Umfeld nutzt. Bei Signal ist die Chance hoch, dass deine Kontakte mitmachen.

4 Der Netzwerkeffekt

Gestern haben wir dir empfohlen, auf den Messenger Signal umzusteigen. Technisch ist das schnell erledigt, aber wie motivierst du deinen Freundeskreis zum Wechsel? Dasselbe gilt für Social-Media-Netzwerke. Hier einige soziale Hacks und Gedanken, die helfen: Besser Leben mit dem Netzwerkeffekt – diese Tipps unterstützen dich auch beim Wechsel zu alternativen Messengern.

5 Open-Source-Sprachassistent

Verabschiede dich von Alexa und anderen Sprachassistenten, die deine Gespräche mithören und auswerten. Nutze stattdessen eine datenschutzfreundliche Alternative wie OpenVoiceOS, ein Open-Source-Sprachassistent, der von einer aktiven Community weiterentwickelt wird und auf einem RaspberryPi läuft. So behältst du die Kontrolle über deine Daten.

6 Fediverse/Mastodon

Verlasse die Social-Media-Plattformen der Tech-Bros wie Facebook, Instagram, TikTok und X (ehemals Twitter) und tritt dem Fediverse bei. Plattformen wie Mastodon oder Pixelfed bieten dir die Freiheit, deine Daten zu kontrollieren und Inhalte zu teilen, ohne den Interessen großer Unternehmen zu dienen. Das Fediverse fördert dezentrale, datenschutzfreundliche Netzwerke und gibt dir die Kontrolle zurück.

7 Die eigene Cloud

Verlasse die US-Cloud-Anbieter und wechsle zur Open-Source-Lösung Nextcloud zum Teilen, Speichern und Synchronisieren. Office-Dokumente kannst du mit dem optionalen Collabora Office gemeinsam bearbeiten. Nextcloud kannst du selbst betreiben. Einfacher ist es, für ein paar Euro einen europäischen Nextcloud-Hoster zu wählen, idealerweise inkl. Collabora.

Zum Einstieg unsere Nextcloud-Serie.

8 Kalender und Adressbuch

Gestern haben wir dir eine Cloud-Alternative empfohlen. Wenn du nur Kalender- und Adressbuchfunktionen in der Cloud nutzen möchtest, brauchst du nicht unbedingt eine Nextcloud. Die E-Mail-Anbieter Posteo und mailbox.org liefern dir diese Option kostenlos zu deinem E-Mail-Account dazu. Mailbox.org beinhaltet ab 2,50 €/Monat sogar das Teilen von Dateien per Link und ein Online-Office.

9 Routing/Maps ohne Big Brother

Statt Google Maps/Apple Maps nutze OpenStreetMap. Es gibt zahlreiche Websites und Apps, die auf den Daten dieses Community-Projekts basieren: Einfache, trackingfreie Apps sind MagicEarth und Organic Maps. Anspruchsvolle nehmen gerne OsmAnd. GraphHopper bietet schnelle Routenberechnung. BRouter-Web ist ideal zum Planen von Freizeitaktivitäten mit vielen Einstellungsmöglichkeiten.

10 LibreOffice und Co.

Setze möglichst auf Open-Source-Software für deine Büroarbeiten. LibreOffice bietet nahezu alle Funktionen, die du von Microsoft Office kennst, ohne deine Daten an ein US-Unternehmen zu senden. GIMP ist eine großartige Alternative zu Adobe Photoshop, und VLC spielt deine Medien ab, ohne dich zu überwachen.

11 PeerTube

Verabschiede dich von YouTube und setze auf datenschutzfreundliche Video-Plattformen wie PeerTube. Diese dezentralisierte Lösung ermöglicht es dir, Videos zu streamen, ohne deine Daten zu sammeln oder dich in ein Überwachungssystem einzubinden.

12 Datenschutzfreundliche Video-Calls

Wechsle zu einer sicheren und datenschutzfreundlichen Plattform für deine Video-Calls. Jitsi Meet, BigBlueButton und OpenTalk sind Open-Source-Alternativen zu Zoom und Google Meet, bei der du die Kontrolle über deine Daten behältst.

13 Kauf lokal

Vermeide den Einkauf über Amazon und gehe stattdessen in lokale Geschäfte oder unterstütze kleinere, unabhängige Online-Shops. Wenn du dennoch auf Amazon angewiesen bist, kündige zumindest dein Prime-Abo, um Amazon weniger zu unterstützen und dessen Umsatz zu reduzieren. Mit Preissuchmaschinen wie Geizhals findest du meistens eine Alternative.

14 Datenschutzfreundlicher Browser

Verabschiede dich von Google Chrome und wechsle zu einem Browser, der mehr Wert auf deine Privatsphäre legt, wie Firefox, LibreWolf oder Brave. Die blockieren/erschweren Tracking und bieten zusätzliche Funktionen, die verhindern, dass deine Surfgewohnheiten gesammelt und ausgewertet werden. Einen umfangreichen Vergleich mit Tabelle findet ihr am Ende vom ersten Teil der großen Browser-Serie.

15 Android Custom-ROM

Vermeide es, dein Smartphone mit US-Diensten wie Google oder Apple zu verbinden. Setze stattdessen auf offene, datenschutzorientierte Betriebssysteme wie GrapheneOS, die ohne vorinstallierte Google-Spy-Apps auskommen und dir mehr Kontrolle über deine Daten ermöglichen. Auch LineageOS, iodéOS oder CalyxOS sind eingeschränkt empfehlenswerte Alternativen, wenn du Google meiden möchtest.

16 App-Tracking vermeiden

Gestern haben wir unabhängige Smartphones empfohlen. Doch kommerzielle Apps bleiben ein Problem: Sie senden Verhaltensdaten an Tracking-Monopole, mit Folgen für Konsum, Meinung und sogar Wahlen. Nutze daher F-Droid.

  • Kannst du auf manche Apps nicht verzichten? Prüfe sie mit Exodus Privacy auf Tracker.
  • Keine Tracker? Installiere über Aurora.
  • Mit Trackern? Nutze sie isoliert: Vertrauliches-Profil (GrapheneOS) oder mit VPN & RethinkDNS.

17 Demokratieschädigende Tech-Milliardäre

Finde heraus, welche Unternehmen, Tech-Milliardäre und Investoren im Umfeld von Trump aktiv sind, darunter Andreessen Horowitz und Peter Thiel. Ihre Investmentfirmen, wie der Founders Fund, beeinflussen Wirtschaft und Politik maßgeblich. Überlege kritisch, ob du ihr Wachstum unterstützen willst, obwohl sie der Demokratie und Zivilgesellschaft schaden:

  • Andreessen Horowitz
  • Peter Thiel
  • Founders Fund

18 GNU/Linux

Bei Windows und macOS musst du ständig im Blick behalten, welche Daten in die Clouds von Silicon Valley fließen, sei es fürs KI-Training oder angebliche »Nutzungsverbesserungen«. Mit FOSS behältst du die Kontrolle. Es gibt zahlreiche Distributionen, einige speziell für Mac- oder Windows-Umsteiger oder Gamer.

Finde deine Distro mit Distro Chooser oder teste sie live (werbefinanziert) auf DistroSea.

19 Videoschnitt unter GNU/Linux

Gestern haben wir Linux als Alternative empfohlen. Games, Office & Photoshop-Alternativen wie GIMP & RawTherapee laufen super. Doch bei Videoschnitt bleibt Linux herausfordernd.

Kdenlive ist eine solide Open-Source-Alternative. Wenn du professioneller arbeiten willst, dann nimm DaVinciResolve, kostenlos und für Filme/Dokus genutzt, aber nicht FOSS & nur auf bestimmten Distros (RockyLinux) lauffähig.

20 Nachrichtenkonsum

Plane deine Nachrichtenroutine bewusst, statt dich auf die manipulativen Algorithmen von TikTok, X und Co. zu verlassen. Starte und beende den Tag mit verlässlichen Quellen wie Deutschlandfunk Nachrichten (auch als RSS), Tagesschau, Heute Journal oder Tageszeitungen (bspw. SZ, der Freitag oder trackingfrei die taz). Unterwegs bieten sich Podcasts wie die vom Deutschlandfunk an. Gönn dir am Wochenende ein Nischenmagazin für dein Spezialinteresse.

21 Vermeide Paypal

Viele der heutigen Trump-nahen Tech-Bros waren einst Teil der sogenannten »PayPal-Mafia«, ein Netzwerk einflussreicher Ex-Mitarbeiter. PayPal war und ist politisch: frag Händler, die vergeblich versuchten, kubanischen Rum zu verkaufen.

Kreditkarten sind eine Alternative, bleiben aber US-geprägt. Seit 2025 ermöglichen EU-Banken kostenlose Echtzeit-Überweisungen – ideal für Vorkasse.

Beste Wahl: Barzahlung im Geschäft.

22 Werbe- und Trackingblocker

Online-Werbung ist ein riesiges Problem: US-Monopole wie Google, Meta, Microsoft, Adobe, Liveramp & Co. kassieren Milliarden, ruinieren Publisher und sammeln dabei massenhaft sensible Daten. Diese Daten landen in den USA und können zur Manipulation (von Wahlen) oder Überwachung missbraucht werden.

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23 Musik-Streaming

Verzichte auf Amazon Music und Apple Music – und auch Spotify! Diese Streaming-Dienste zahlen Künstler schlecht und sammeln Unmengen an Nutzerdaten. Eine Alternative ist Funkwhale, ein dezentrales Open-Source-Musiknetzwerk. Oder du setzt auf Bandcamp (solange es noch unabhängig genug ist) und kaufst Musik direkt bei Künstlerinnen und Künstlern.

24 Open-Source-KI

Meide KI-Angebote großer US-Konzerne wie ChatGPT und Gemini. Diese Systeme werden mit fragwürdigen Daten trainiert, verletzen Urheberrechte und beeinflussen Meinungen. Nutze stattdessen Open-Source-Alternativen wie Ollama oder GPT4All, die du lokal betreiben kannst, ohne Überwachung durch Big Tech.

25 Home Assistant und Co.

Viele IoT-Geräte (bspw. smarte Steckdosen, Thermostate, Kameras) senden Daten an (US-)Hersteller-Server. Kaufe lokal steuerbare Alternativen oder setze auf Open-Source-Lösungen wie Home Assistant.

26 VPN-Anbieter

Viele bekannte VPN-Dienste haben fragwürdige Datenschutzrichtlinien oder unterliegen US-Gesetzen. Bevorzuge europäische Anbieter wie Mullvad oder ProtonVPN, die strenge No-Logs-Richtlinien versprechen – auch wenn deren Einhaltung letztlich eine Frage des Vertrauens bleibt.

27 Tesla-Überwachung

Tesla-Fahrzeuge erfassen ständig ihre Umgebung, überwachen das Fahrverhalten und übertragen Daten in die USA. Ob europäische Alternativen wirklich datenschutzfreundlicher sind, ist schwer zu prüfen. Fast alle Autos kannst du aber offline stellen und für Navi/Stau ein TomTom oder trackingfreies Android nehmen. Die beste Wahl: Fahrrad fahren und Open-Source-Car-Projekte wie Automotive Grade Linux (AGL) unterstützen.

28 Catch-All-Adresse und Wegwerfnummer

Achte auf deine E-Mail-Adresse und Handynummer! Nach IDFA/AAID sind sie die wichtigsten Identifikatoren, um dich weltweit eindeutig zu identifizieren – und helfen Autokraten, über Werbedaten deine politische Haltung zu ermitteln. Nutze für jede Anmeldung eine eigene E-Mail-Adresse (bspw. per Catch-All oder einem Dienst wie addy.io) und eine Wegwerfnummer (Ausweis erforderlich), die du regelmäßig wechselst – etwa als eSIM (z.B. Vodafone CallYa).

Hintergründe

29 Engagiere dich!

Engagiere dich! Gemeinsam mit anderen für die Verbesserung arbeiten? Vielleicht die schönste Option, um das Beste aus etwas Negativem zu machen. Wenn die Zeit fehlt, helfen aber auch Geldspenden oder nur ein wenig Aufmerksamkeit für die Pläne und Ideen der wichtigen Helferlein in unserer Gesellschaft.

Hier findest du unser UnplugBigTech / UnplugTrump Starterpack mit über 60 NGOs und Vereinen auf Mastodon, die in irgendeiner Weise die Zivilgesellschaft im Internet stark machen.

30 Mehr analoges Leben wagen

Zum Abschluss unserer Serie: Denk daran, dass man auch größtenteils analog leben kann. Viele Tipps aus unserer Reihe sind aufwendig – muss man sich dem »smarten« Leben überhaupt derart aussetzen?

Zwei Buchtipps dazu:

Am besten gleich analog in der nächsten Buchhandlung zur Ansicht bestellen!