The Gaia II Space Corps

Band
Motorpsycho
Format
LP
Jahr
2026
Label
Det Nordenfjeldske Grammofonselskab
Kennung
NFGS 0126 LP
Zusatz
gelb-orange-marmoriertes Vinyl, Textblatt

Krischan am

180g Colored Vinyl

Zwei niegelnagelneuerschienene Platten darf ich noch haben. Sogar in Farbe. Von meinen Lieblingsmusikern. Ja? Ja.

Und was hat uns denn der Kosmonaut da ins Osternest gelegt? Orgelakkorde wie bei »The Tower«? Oder wo hab ich die schon gehört? Aber der Rest irgendwie so komisch poppig-hardrockig wie die älteren Sachen, wegen denen ich die Band seinerzeit links liegen gelassen habe. Gitarrensoli und exaltierter Gesang und alles irgendwie gleichzeitig durcheinander in den verschiedenen Stilen der Band. Kann das funktionieren? Oder doch lieber weiter im bandtypischen Schweinerock der Siebziger Jahre? Entspannter als der Opener, aber eigentlich auch nicht so richtig meine Tasse Tee, ich hör mir doch keinen storytelling Progrock an, so klingen doch in meiner Vermutung all diese komischen Bands mit den albernen Logos, deren Platten auf allen Trödelmärkten die Wühlkisten füllen, weil sie seinerzeit offenbar von allen gekauft, dann aber nach wenigen Jahren von allen wieder verkauft werden mussten und nun hartnäckig partout keine Käufer finden. Weil will halt keiner hören. Je länger der Song dauert, und er dauert ein bisschen länger, das ist ja bei Motorpsycho keine Neuigkeit, desto mehr fängt mein Bein aber doch an zu wippen und der Kopf an zu nicken, weil schöne Rhythmen, schöne Breaks, schöne Improvisationsstellen, von mir aus auch schönes Gitarrengenudel, da passt dann auch das Ausfaden am Ende volle Kanne ins Schema.

Und wieder einfaden in den locker galoppierenden Reiterrhythmus des nächsten Stücks, das uns ein paar Meilen lang mit zurückgelehntem Oberkörper begleitet und dann unbemerkt und sofort aus der Erinnerung getilgt wieder verlässt. Kann man machen, macht bestimmt auch Spaß, aber kann man genaugenommen auch einfach bleiben lassen. Obwohl, cooles Riff das. Irgendwo musste das doch hin. Und der alberne mehrstimmige Refrain, der ist schon auch süß.

Lagerfeuerklampfe? Wovon singt er da jetzt so inbrünstig? Vom vergehenden Sommer? Und wer bügelt da ausgerechnet schiefe Orgeltöne drüber? Wusste der, dass mir sowas gefällt? Und auch hier ein Solo? Echt jetzt? Ah, wird ausgefadet. Muss man sich kein Ende überlegen.

Seite B startet mit dem Titeltrack, der mit einer klasse Hookline startet, so sagen wir Fachleute zu einer schicken kurzen einprägsamen Melodie, hier u.a. mit einer elektrischen Sitar gespielt, auf dass sie sich richtig schön ins Ohr bohre. Treibender Alternative-Rock mit voller, breiter Klangpalette, die häufig herauszuhörenden Hawkwind-Vibes fehlen auch nicht. Das hätte jetzt wirklich noch eine Weile weitergehen können, geht aber beizeiten in das nächste Stück über: kuscheliger Einstieg mit Hall und sanften Stimmen in tranigen, progrockigen Schnulz einer Siebziger-Jahre-Kombo. Dann aber der zu erwartende aufwendige Schlagzeug-Einsatz und die parallel laufenden Bass-und-Drum-Linien, die Siebziger fordern sowas, gefolgt von Sologitarren und Breaks und spacigen Passagen für die zarten Klänge, man kennt das ja, ob mans auch mag, ist irgendwie noch die Frage. So sehr ich die Band schätze, tu ich das doch eher für andere Sachen. Zum Beispiel für das herrliche Melotron, das nun auch noch auftaucht, aber der Kontext bleibt ja komischer Siebziger-Jahre-Rock, und dafür fehlt es mir an Haarlänge.

Weiter mit Stadionrock-Schnulli inklusive affigem Drum-Intro, wollen die jetzt so klingen? Oder ist das mal wieder ein Cover (eine Adaption eines Stückes einer anderen Band)? Da haben sie ja eine Vorliebe für breitbeinigen Hardrock und ähnlichen Quark. Der Text ist auch nicht abgedruckt, weil von einem Wagner. Da steht nur »Copyrigh Control«. Ohne T. Stümmt, genau, das ist die Coverversion eines Stückes aus den Siebzigern. Oder den Sechzigern. Von 1970. Von The Frost aus Michigan. Hey-hey. O-ho-hooo-ho, hey-hey.

Hier könnte eigentlich ein Bandcamp-Player hin.

Erstaunlich kurze Platte. Reichliche halbe Stunde. Da haben die zu anderen Zeiten gerade mal den zweiten Song beendet. Aber so muss es ja nicht bleiben. Diesmal sollte es ja nicht so durchgeplant und produziert und reproduziert sein, sondern unmittelbarer. Haben sie vor Erscheinen des Albums jedenfalls verlauten lassen. Machen ja alle Bands irgendwann mal so. Und ist ja auch richtig.

Was da auf dem Cover (auf der Plattenhülle) so tut wie ein Sonderfarbdruck für Comics, ist dann doch nur ein regulärer CYMK-Print auf aber wenigstens matten Karton. An der unteren Kante der Rückseite in Silbergrau die Siegel-Signets der letzten Platten und/oder Touren: die beblitzten Kringel zu »Behind The Sun«, das Raumfahrtsymbol zu Weiß-ich-grad-nicht (Cave Tyrannis), der Totenschädel zu Ich-komm-nicht-drauf (Facete Tumultum Non Bellum), der Penrose-Judenstern zu »The All Is One« (Omnia Est Unum), der Krake zu »Kingdom Of Oblivion« (Cosmoctopuss), die Sockenpuppen zu »Yay!« (Ex Tenebris Lux) und der Sternenkopf zu »Motorpsycho« (Solve Et Coagula). Außerdem eine Seriennummer namens 00000. War da was geplant oder ist das ein Witz?

Rock Mortua Est, Vivat Rock

Tracks

  1. Fanny Again, Or? (Karma Is A Bitch …)
  2. The Great Stash Robbery (A Bummer On The Freak Scene)
  3. TSMcR (Ode To Fat Wallet)
  4. The Hornet
  5. The Gaia II Space Corps
  6. The Oracle
  7. Black As Night

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