Limited Edition White Vinyl
Zwei niegelnagelneuerschienene Platten darf ich noch haben. Sogar in Farbe. Von meinen Lieblingsmusikern. Ja? Ja.
Und was hat uns denn die Mieze da vor die Tür gewöllt? Relaxt melodiöse Bläserharmonien auf Hiphop-Beats? Nanu. Klingt ja so poppig. So mainstreamig. Die gutste rappt ja fast schon. Und wird gescratcht, haha. Beats sind wir von Sonic Oma ja schon gewöhnt, aber so weit weg vom schrägen atonalen noisigen Andersartigseinwollen war sie vermutlich noch nie. Was da los? Ist anecken und rumnerven nicht mehr schick? Machen wir jetzt keine Kunst mehr? Wohlklang ist das neue Lehrerärgern. Oder jedenfalls das, was allgemein und aktuell und breitenwirksam als idealtypischer Wohlklang gilt. Wieviel davon ist von ihr? Und wieviel vom auch hier wieder dabeien Produzent genannten Mitmusiker Justin Raisen? Das steht ja so minutiös nicht dran, lediglich: alle Texte von ihr, Musik von beiden oder manchmal sogar von noch einem weiteren Typen. Einer davon heißt Dave Grohl, na guck. Der spielt auch das Schlagzeug beim Biene-Maja-Song.
Aber der Reihenfolge nach: am Anfang also Achtziger-Jahre-Hiphop-Anleihen, warum auch nicht, ein bisschen davon haben wir doch damals alle gehört, auch wenn wir sonst keine großen Hiphop-Fans waren, beim zweiten Stück dann aber doch eine E-Gitarre im Hintergrund und gleichförmiger durchlaufende Beats und der Gesang etwas schräger und gepresst-gestöhnter, so gefällt mir das doch schon besser, ohne dass es den Rest stören müsste, oder? Danach wirds verfranster, was die Beats angeht, Zappelgezischel und Störgeräusche und Knarzen und Übersteuerungen sind die Begleitung zu Gesang und Beatmaschine, das ist cool und gefällt mir auch. Nur die Bässe, die hier auf Platte oder im Zug mit den Billigkopfhörern nicht weiter auffallen, dröhnen bei der Wiedergabe der digitalen Alternativen auf den guten Boxen am Schreibtisch doch mächtig und bis in die Nachbarwohnung hinein, auch ohne dass ich bis zu der von mir sonst so geliebten Lautstärke hochdrehen muss, soll das so heutzutage?
Dann wieder entspannter aus der verkifften Hiphop-Ecke, aber der Gesang wieder furchtbar angestrengt, aber das gehört beim Rap ja dazu. Wo ist da die Genre-Grenze bzw. das Erkennungsmerkmal zum Gangstarap? Und weil es ohrenscheinlich um AI geht, wird an einer Stelle noch ein Vocoder drübergebügelt. Kann man so machen. Und was beim ersten Stück mit Bläsern funktioniert hat, geht auch mit klavierähnlichen Klängen: repetitive Melodieschnipsel, Sampels quasi. Dazu Gitarren-Feedbacks. Und beim letzten Stück der Seite A fast schon Sqürl-mäßiges Dröhnen als angenehmes Hintergrundgeräusch und fast schon gesittetes Singen wie früher bei den noch hinreichend hörbaren Sonic-Youth-Stücken. So geht Wohlklang für meine Ohren. Wobei ich da jetzt eigentlich am ziemlich einfallslos durchlaufenden Beat rummeckern müsste, aber ich lass es einfach mal kurz sein.
Die B-Seite startet mit einem hochgepitchten Interview-Schnipsel über die Teilnahme an einer Band namens STP, wer interviewt da wen? Das in weiteren Schnipseln auftauchende Yeah klingt schon sehr nach Kim Gordon, aber das werden andere auch so aussprechen. Aber »Girl in a Band« hieß ja auch die Autobiographie von ihr. Und hier also auch das per Dave Grohls Hand und Fuß eingespielte Schlagzeug.
Dann wirds irgendwie langweilig. Das zweite Stück bleibt ein uninteressantes Fragment, mag sein, dass das mit dem Blow irgendwas zu sagen hat auch bzw. gerade im feministischen Kontext, die Texte sind nicht abgedruckt und ich kann mir aus den einzelnen Worten irgendwie nichts zusammenreimen, aber kryptische mehrdeutige Texte waren ja immer schon ein Merkmal von ihr und von der Band. Und auch der Rest bleibt dann eher farblos, Bumm-Tschack und Effekte aufm Gesang, das kann man alles machen, aber wenn es das einzige bleibt, isses halt auch insgesamt nix. Vielleicht bringt eine andere Reihenfolge der Stücke neue Einblicke und Aha-Momente? Könnt ich eigentlich mal ausprobieren.
Ganz am Ende nochmal das erste Stück der Vorgänger-Platte in einer neuen und kürzeren Version, warum auch immer, gibts da Unterschiede in den Lyrics? Da werden ja lauter Schlagworte und umstrittene Begriffe der aktuellen Debatten aufgelistet, aber die haben sich ja in den letzten Jahren kaum verändert, oder?
Erstaunlich kurze Platte. Halbe Stunde. Aber es war ja am Ende trotzdem schon langatmig, obwohl die Stücke bis auf eine Ausnahme alle nur anderthalb bis drei Minuten lang sind.
Auf den Videos ist sie jetzt aber anstelle ihrer Tochter immer selber zu sehen, mehr oder weniger versteckt:
Oder hier:
Von der Tochter hingegen hat sie sich die Schrift fürs Plattencover-Foto aufs Bein malen lassen. Steht auf der Innenhülle. Warum sich die Öffnung des Covers an der oberen Kante befindet, erschließt sich mir hingegen nicht. Mit dem verkehrtherummen Fotoausschnitt auf der Rückseite kann das eigentlich nichts zu tun haben. Oder sollte man das Cover ursprünglich aufklappen können? So als Starschnitt der unteren Hälfte von Rock-Ikone Kim Gordon?
Eine Handvoll Tage nach dem achten März rausgekommen. Schade eigentlich.
Tracks
- Play Me
- Girl With A Look
- No Hands
- Black Out
- Dirty Tech
- Not Today
- Busy Bee
- Square Jaw
- Subcon
- Post Empire
- Nail Biter
- Bye Bye 25!